Die Konzertreise 2011 führte das Akkorden-Landesjugendorchester Baden-Württemberg (ALJO/BW) ins Baltikum. Vom 12. bis zum 24. Juni 2011 bereiste das Orchester die Länder Polen, Russland, Litauen und Lettland. In sechs Konzerten konnte das Publikum mit Musik auf höchstem Niveau unterhalten werden.
Das erste Ziel auf der Reise war die schöne Stadt Danzig/Polen. Während der Morgen in Danzig genutzt wurde, um sich auf die bevorstehenden Konzerte vorzubereiten, hatten am Nachmittag alle Orchestermitglieder die Möglichkeit, die Stadt und ihre Geschichte bei einer Stadtführung kennenzulernen.
Nach der Einspielprobe in der Kirche wurde das Orchester fürstlich verpflegt. Dank gilt hier dem Bund der deutschen Minderheit mit Franziska Lein und dem Generalkonsulat.
Am Abend folgte dann bereits das erste Konzert. In der Brigittenkirche Danzig konnten zahlreiche Zuhörer, darunter unter anderem auch Frau Gabriele Neumeier vom Deutschen Generalkonsulat und einige Vertreter des Bundes der deutschen Minderheit Danzig, die Musik des ALJO genießen. Das Publikum bedankte sich beim Orchester mit viel Applaus und "standing ovations" für das tolle Konzert.
Bereits am nächsten Morgen ging die Reise weiter nach Kaliningrad/Russland.
Nur rund 170 km mussten zurückgelegt werden und man freute sich auf einen freien Nachmittag.
Schon vor Beginn der Reise wurde die Grenzüberquerung von Polen nach Russland durch die Organisatorin Silke D'Inka und den Landesmusikrat Baden-Württemberg sorgfältig vorbereitet. Reisepässe wurden kopiert, Visa beantragt, Instrumentendaten weitergeben, ausführliche Listen erstellt und noch vieles mehr. Auch der deutsche Zoll half bei den Vorbereitungen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren. Doch die russischen Grenz- und Zollbeamten sorgten dafür, dass alles anders kam.
An der Grenze angekommen wurden zuerst mehrmals alle Reisepässe kontrolliert. Hierzu gehörte auch eine genaueste Begutachtung aller Personen, wie man sie sonst nur vom Flughafen kennt. Während alle aus dem Bus ausgestiegen waren um die Pässe kontrollieren zu lassen, sollte der russische Zoll Formulare ausfüllen, die bescheinigen, welche Instrumente wir ins Land und auch wieder hinaus nehmen. Leider konnten die Zollbeamten die Papiere aber nicht bearbeiten und dem Orchester blieb nichts anderes übrig, als - nach vier Stunden Verhandlung mit den Beamten - eine 100 km entfernte Grenzstation anzufahren.
Als die zweite Grenze erreicht wurde, folgten, nach erneuter Wartezeit, da gerade Schichtwechsel war, wieder mehrere Passkontrollen und auch hier sollten die Zollbeamten natürlich die Papiere ausfüllen. Keiner hätte gedacht, dass Formulare, die zur Erleichterung der Einreise dienen sollen, solche Probleme bereiten könnten.
Viele Stunden mussten die Orchestermitglieder im bzw. am Bus verbringen, während im Zollbüro reichlich Nerven gebraucht wurden, um die korrekt ausgefüllten Formulare und damit die Erlaubnis der Weiterreise zu erhalten.
Während der insgesamt über zwölf Stunden Wartezeit an den russischen Grenzen war die Stimmung unter den Spielern jedoch immer bestens. Gemeinsam wurde gesungen, Musik gemacht und die Süßigkeitenvorräte wurden aufgebraucht - für so eine kurze Wegstrecke hatte sich keiner ein Lunchpaket gepackt.
Um 3 Uhr in der Nacht konnte dann doch noch das Hotel in Kaliningrad bezogen werden.
Am nächsten Morgen hatten alle die Möglichkeit, Kaliningrad zu erkunden, die Süßigkeitenvorräte aufzufrischen oder sich von den Strapazen der Grenze zu erholen.
Nach einer Stadtführung mit Aelita Schulkina und einer kurzen Einspielprobe am Nachmittag folgte am Abend ein Konzert in der Auferstehungskirche Kaliningrad.
Ein begeistertes Publikum genoss die Musik, die das Akkordeon-Landesjugendorchester mit seiner Dirigentin Heidrun Neugebauer darbot.
Unter den Zuhörern waren auch Kinder, die durch das Straßenkinderprojekt "Jablonka" betreut werden. Es war schön, sie so begeistert zu sehen. Auch Pfarrer Löber und Vertreter des Auswärtigen Amtes, das in der Organisation des Konzertes sehr behilflich war, konnten begrüßt werden.
Nachdem alle Instrumente wieder ins Hotel gebracht wurden, beendete man den Tag gemeinsam in einem Restaurant.
Für die Fahrt nach Vilnius/Litauen hatten sich alle gut vorbereitet - Lunchpakete wurden gepackt, Lese- und Filmmaterial bereitgelegt und die Nerven für die Zollkontrolle eingestellt.
Doch man stellte fest, die Ausreise aus Russland ist viel einfacher als die Einreise, und so konnte ohne große Komplikationen die Grenze passiert und am Nachmittag das Hotel bezogen werden.
Am nächsten Tag war das ALJO eingeladen, in der Adomas Mickevicius Bibliothek Vilnius zu konzertieren. Noch davor konnten alle bei einer Führung die wunderschöne Stadt besichtigen. Die Spieler waren sehr beeindruckt von den tollen Gebäuden. Anschließend wurde das Orchester von den Organisatoren des Konzerts in ein landestypisches Restaurant eingeladen. Das Essen war so lecker, dass manche Spieler nach dem abendlichen Konzert nochmals dort aßen.
Das Konzert im Österreichischen, Schweizerischen und Liechtensteiner Lesesaal war ein großer Erfolg. Der Saal war voll besetzt und unter den Zuhörern befanden sich auch einige Mitglieder des Deutschlehrerverbandes und des Goethe-Instituts mit Margarita Repeckiene. Außerdem besteht das dortige Publikum generell vorwiegend aus hochrangigen litauischen Akademikern, wie wir nach dem Konzert erfahren konnten. Die Begeisterung über das Konzert wurde nicht nur durch den großen Beifall zum Ausdruck gebracht, auch eine Ansprache der Vorsitzenden des Deutschlehrerverbandes, Rasa Kazlauskiene, wurde zum Abschluss des Konzertes gehalten. Sie bedankte sich beim Orchester für das tolle Konzert, dass sie als "ein Wunder" bezeichnete.
Im Anschluss bestand bei einem Umtrunk die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch zwischen den Zuhörern und den Spielern. Viele nahmen diese Gelegenheit wahr, um den Spielern für das fantastische Konzert zu danken.
Viel zu kurz, dafür aber wunderschön, war die Zeit, die das Orchester in Vilnius verbrachte, denn es ging bereits am nächsten Tag weiter nach Riga/Lettland. Nach ca. 300 km Busfahrt erreichten wir unser Hotel, das nur 2 km von der Innenstadt entfernt lag.
Der Abend wurde gerne genutzt, gemeinsam zu Fuß in die Stadt zu gehen, um das Flair von Riga zu genießen.
Eine besondere Stadtführung erwartete das ALJO am nächsten Tag. Diese Führung war nicht etwa zu Fuß oder mit dem Bus geplant - Silke D'Inka hatte nostalgische Boote reserviert, die das Orchester auf einem kleinen Fluss durch Riga fuhren. Wichtige Informationen über die Stadt und tolle Eindrücke konnten wir hier erhalten.
Ein weiteres Highlight der diesjährigen ALJO-Tournee folgte dann noch am Abend:
Als besondere Überraschung für alle hatte Silke D'Inka einen Besuch in der Staatsoper in Riga organisiert. Zum Abschluss des dortigen Opernfestivals 2011 wurde Mozarts "Don Giovanni" aufgeführt. Für viele Spieler war dies der erste Besuch in einer Oper und die Begeisterung von der tollen Musik und der eindrücklichen Inszenierung war deutlich spürbar. Eine sehr gelungene Überraschung, die gerne auf der nächsten Reise wiederholt werden darf.
Im Music College Riga hatten man tags darauf wieder ein Konzert.
Nach der Einspielprobe konnte am frühen Abend in einem sehr schönen Konzertsaal mit toller Akustik gespielt werden. Auch hier konnte eine Vertreterin der deutschen Botschaft und die Vize-Rektorin für Internationale Beziehungen Lettlands, Frau Maija Sipola, begrüßt werden.
Der Abend stand dann allen zur freien Verfügung und er wurde hauptsächlich genutzt, um nochmals die Atmosphäre der Stadt auf sich wirken zu lassen, denn das nächste Reiseziel wartete.
Früh am Morgen des 21. Juni machte sich das ALJO wieder auf den Weg nach Polen.
Dieses Mal stand die Hauptstadt Warschau auf dem Reiseplan.
Die Deutsche Schule "Willy Brandt" in Warschau mit ihrer Direktorin Frau Regine Weiss hatte am nächsten Morgen zu einem Konzert eingeladen. Eine Besonderheit dieses Konzertes war, dass das Publikum fast nur aus Kindergartenkindern und Vor- und Grundschülern bestand.
Dank der überaus beeindruckenden Park- und Fahrweise der Warschauer wurde unser Busfahrer hier einer kleinen, ungeplanten Bewährungsprobe ausgesetzt, die mancher mit dem PKW nicht hätte bewältigen können. Doch auf Roberto Meloni war Verlass und das Orchester kam, mit einer kleinen Verspätung, an der Schule an.
Durch La-Ola-Wellen und Applaus der Kinder empfangen, wurde schnell aufgebaut und den Zuhörern die Musik dargeboten.
Was man mit einem Akkordeon alles machen kann, konnten die Kinder während des Konzertes hören und sehen - Silke D'Inka brachte ihnen anschaulich die Musik und die verschiedenen Akkordeon-Instrumente näher. Außerdem hatten alle im Anschluss des Konzertes die Möglichkeit, zu den Spielern zu gehen und eine Taste zu drücken, am Balg zu rütteln, die Knöpfe zu drücken, die Register zu schalten oder auch einmal kräftig auf die Pauke zu hauen. Es war für Spieler wie Kinder ein großer Spaß!
Da an diesem Tag zwei Konzerte auf dem Programm standen, fuhr das Orchester im Anschluss direkt zur Reformierten Kirche Warschau. Bis zum Beginn des Konzertes konnte von hier aus die Stadt bequem zu Fuß erkundet werden. Alle nutzen die Zeit, um sich ein Bild von Warschau zu machen und auch hier viele tolle Eindrücke zu sammeln.
Abends fand dann das letzte Konzert des ALJO 2011 mit seiner Dirigentin Heidrun Neugebauer statt. Organisiert wurde dies von der Deutschen Botschaft und Michal Markuszewski. Zahlreiche Zuhörer folgten der Einladung, sogar Botschafter Freiherr von Fritsch gab dem Orchester die Ehre, und alle ließen sich von dem dargebotenen Musikprogramm begeistern. Die Stimmung war auch unter den Spielern deutlich zu spüren und so konnten am Abend alle ein sehr gelungenes Abschlusskonzert feiern.
Am letzten Tag der Reise durfte das Orchester die Stadt Warschau bei einer sehr informativen Führung erkunden. Dass Warschau während des zweiten Weltkrieges zu
85-90 % zerstört war, konnte man sich bei der Besichtigung zahlreicher Gebäude nicht vorstellen. Mit viel Liebe wurden alte Kirchen und Bauwerke wieder originalgetreu aufgebaut, so dass man auch heute noch die Möglichkeit hat, die Altstadt zu bewundern.
Einen ganz besonderen Abschluss der Reise hatte sich Silke D'Inka ausgedacht. Um am letzten Abend nochmals die Möglichkeit zu nutzen, gemütlich beisammen zu sein und die erlebten Tage Revue passieren zu lassen, wurde eine Bierprobe mit anschließendem landestypischen Abendessen organisiert.
In einer kleinen polnischen Haus-Brauerei wurde zuerst gezeigt, wo das Bier gebraut und gelagert wird, bevor man sich von der guten Brauarbeit überzeugen konnte. Insgesamt vier verschiedene Biersorten durften probiert werden und das anschließende Essen ließ keine Wünsche mehr offen.
In der Frühe des 24. Juni wurde dann - mit etwas Wehmut - die Heimreise angetreten.
Die Busfahrer Roberto Meloni und Nicolaj Schander sorgten dafür, dass das Orchester sich nicht nur während der Fahrt gut aufgehoben wusste, sondern auch gesund wieder in Leonberg ankam.
Alle Spieler waren sich einig, die Konzertreise 2011 war sehr beeindruckend, abwechslungsreich und wunderschön!
Hierfür sei, stellvertretend für alle, die in irgendeiner Form zum Gelingen beigetragen haben, neben Georg Penz, der die Tournee-Planung begonnen hatte, zwei Personen ganz besonders gedankt:
Vielen Dank an unsere Dirigentin Heidrun Neugebauer, die das Orchester bestens auf die Konzerte vorbereitet hat und ein herzliches Dankeschön an unsere Organisatorin
Silke D'Inka, die - durch eine hervorragende Planung und viel persönlichem Einsatz im Vorfeld - dafür gesorgt hat, dass alle eine unvergessliche Konzertreise erleben konnten!
|